Am Anfang war das Wort. Das erste, was potentielle Käufer vom musikalischen Produkt sehen, sind (meist bebilderte) Wörter. Jeder Downloadshop, jede Web Site, jede Pressemappe, Newsletter und Flyer, der für eine CD, einen Download oder ein Konzert wirbt, wird zunächst gesehen bzw. gelesen.
Klar, Musiker sind in der Regel keine Marketingspezialisten und das sollen sie auch gar nicht sein. Doch sobald sich ein unabhängiger Künstler für den Alleingang entscheidet, so ist Marketing neben der Musik das zentrale Thema. Regelmässig stolpere ich über Publikationen von Bands (und auch Labels), die textlich wahre Absteller sind. Die häufigsten Fehler:
- Orthographische Fehler wie Tippfehler, Verben gross geschrieben, Substantive klein, oder die Sätze unvollständig
- Übersetzungen ins Englische sind stilistisch und grammatikalisch falsch oder unklar
- Daten enthalten keine Jahreszahl, so dass der Leser nicht erkennen kann, ob die Aussage aktuell oder drei Jahre alt ist
- Die Texte sind zu lang, der Text ist nicht in Abschnitte unterteilt
- Die Inhalte sind banal oder tausendmal gelesen, wie "Bereits mit fünf nahm Daniela ihre ersten Klavierstunden und seither ist die Musik ihre grosse Liebe ..."
- Mangelnde Kontinuität, in dem Slogan und Mottos in immer wieder abgeänderter Form benutzt werden, was die Fans verwirrt
- Mangelnde Kontinuität 2, und das gilt besonders fürs Web, wenn es zu Unterbrüchen der Aktivitäten kommt, die Web Site aber keinerlei Hinweise enthält
Hat man selber kein Talent/keine Zeit zum Texten, so findet sich im Freundes- oder Familienkreis vielleicht ein Profi. Da Biografie, Pressemappe und Web Site die Visitenkarte der Band sind, so lohnt sich auch die Investition in die Dienste eines Texters, der hoffentlich auch gleich noch die ganz besondere Story der Band aus den Mitgliedern herauskitzelt und textlich verarbeitet.
Texte sind Psychologie pur. Schlampige Texte zum Beispiel lassen den Leser Unzuverlässigkeit vermuten, so dass er - meist unbewusst - erst gar kein Konzertticket kauft. Bei langweiligen oder zu langen Texten im Web klickt sich der Leser auf Nimmerwiederklick hinfort.
Die Leser wollen angesprochen werden, Texte sollen neugierig machen auf die Story der Band und natürlich auf die Musik. Die Inhalte sind authentisch, und Aussagen und Slogans ziehen sich konsequent durch alle Promo-Aktionen und Publikationen.
Im Web fand ich den einführenden Ratgeber "Web 2.0 in Marketing & PR" von M. Buzinkay, C. Riedmann und M. Brunnbauer, der » hier gratis heruntergeladen werden kann. Hier möchte ich besonders das Kapitel "PR & Text Web 2.0" ab Seite 20 empfehlen, dessen Tipps sich auch leicht auf das Thema Musik und Printunterlagen wie die Pressemappe anwenden lassen.
Fröhliches texten !